1. Mathias Lipp

Ich bin 59 Jahre alt, verheiratet und habe zusammen mit meiner Frau 2 erwachsene Kinder.

Ich bin in Altbach aufgewachsen, groß geworden in Vereinen und in der kirchlichen Jugendarbeit. Als Erwachsener bin ich weiterhin engagiert in der Katholischen Kirchengemeinde. Dem Gemeinderat gehöre ich seit 1984 an. Als langjähriger Fraktionsvorsitzender der UWV und erster stellvertretender Bürgermeister, sehe ich mich mit unseren Verhältnissen bestens vertraut.

Altbach verändert sich! Für eine 6000 Einwohner Gemeinde im Ballungsraum Stuttgart bedeutet das, sich mit dem demografischem Wandel, der Finanz- und Umweltressourcenproblematik sowie Versorgungs- und Mobilitätsthemen auseinander zu setzen und dabei in Konkurrenz und Wettbewerb zu anderen Kommunen um Einwohner, Arbeitsplätze und nachhaltige Lebensqualität zu stehen.

Die eigene Sicht auf die Dinge, auf das öffentliche Leben und Zusammenleben in Altbach zu ändern, fällt nicht immer leicht, bedeutet es doch auch Veränderung zu akzeptieren. Dabei ist ein funktionierendes Gemeinwesen und Miteinander im Sinne der Generationengerechtigkeit sehr wichtig. Schule, Kindergärten, Sportstätten, Vereins- und Institutionenvielfalt, sind wichtige Grundlagen, in denen unsere Zukunft in einem gesunden Lebensumfeld mitgestaltet wird. Ebenso geprägt durch meine berufliche Tätigkeit als Leiter eines großen Polizeireviers, will ich in Zeiten dieses Strukturwandels mit dazu beitragen, das Sicherheitsgefühl und das Vertrauen der Bürger in demokratisches Handeln zu stärken.

1) Altbach leidet unter dem Steuerausfall des Kraftwerks. Auf dem Decoma-Gelände läuft gerade der Abriss, was Neuansiedlungen im Industriegebiet ermöglicht. Wie sehen Sie dessen Entwicklung, um mehr Gewerbesteuerzahler zu gewinnen?

Für das DECOMA Gelände wurde ein Bebauungsplan erstellt. Mit den Investoren sind wir im Gespräch. Ziel ist die Ansiedlung von Betrieben im neuen „Industriepark“, durch die mittel- bis langfristig dem Haushalt zusätzliche Gewerbesteuer zufließt. Fest steht, dass das Einnahmedefizit im Gemeindehaushalt mit Steuereinnahmen aus diesen Projekten längst nicht ausgeglichen werden kann.

2) Der großflächige Bebauungsplan Schurwaldstraße ist derzeit in der Bevölkerung umstritten. Wie weit soll die Innenentwicklung gehen, welches Maß an Verdichtung ist angemessen?

Der Plan enthält eindeutige Regularien, die ein „Überboarden“ und eine übermäßige Nachverdichtung ausschließen. Der Plan soll die gewachsenen Siedlungstrukturen im Grundsatz und in Bezug auf eine Durchgrünung eben gerade nicht wesentlich verändern. Mit den Festsetzungen wird es ermöglicht, dass zusätzlicher Wohnraum und Wohnflächen auch für alternative und neue Wohnformen im Gebäudebestand entstehen können. Altbach hat die kleinste aller Markungsflächen der 44 Kreisgemeinden und tatsächlich keine wirklichen Möglichkeiten mehr in die „Fläche zu wachsen“. Deshalb müssen wir uns mit dem Grundsatz „Innen- vor Außenentwicklung“ befassen, um der Nachfrage nach zusätzlichem Wohnraum etwas Rechnung zu tragen.

3) Die Entwicklung des Pflegeheims auf dem Hammelehle-Gelände und die Neunutzung des alten Rathauses stehen an, ebenso die Neunutzung des „Schlösschens“ mit dem früheren Sitzungssaal. Wie sehen Sie die Weiterentwicklung dieser drei Gebäude?

Ein Pflegeheim hätte m.E.am Standort des neuen Rathauses beim Ärztehaus gebaut werden müssen. Dafür gab es im Gemeinderat keine Mehrheit. Nun gilt es Gebäude und Bewohner an den Ort anzubinden und einzubeziehen. Dazu bedarf es kreativer Ideen und bürgerschaftlichem Engagement. Das Alte Rathaus ist verkauft. Dort zieht ein Dienstleistungsunternehmen ein. Beim „Rathausschlösschens“ sind für mich Nutzungen wie Vereins-, Kulturhaus, Krankenpflegestation, ... aber auch ein gewerblicher Betrieb wie z.B.ein Café denkbar. Die Haushaltslage ist bei den Entscheidungen für eine zukünftige Nutzung zu berücksichtigen. Einen Verkauf oder eine Verpachtung sollte man als gedankliche Vorprüfung im Vorhinein nicht sofort völlig ausschließen.